Motorradfahren zum Glück - Fellows Ride - Ride don`t hide

Motorradfahren zum Glück

Seit 2015 ist Dieter Schneider (Text&Fotos) mit seinem Motorrad in der Welt unterwegs. Nach seiner Transafrika-Tour von Würzburg nach Kapstadt ist er einmal um die Welt gefahren. Toni, seine BMW GS 800 Adv., hat 130.000 km auf der Uhr. Dieters jüngste Tour ging zum Nordkap. In Skandinavien war er dem Glück auf der Spur.

Auf den Spuren des Glücks durch Finnland und Norwegen.

Wann hast du das letzte Mal Glück gehabt? Diese Frage kann wahrscheinlich jeder Motorradfahrer beantworten. Bist du glücklich? Bei dieser Frage tut man sich schon schwerer. Wir haben nur ein Wort für verschiedene Arten von Glück; der zufällige 6er im Lotto ist ein anderes Glück als der positive Ausgang eines Unfalls. Es gibt ein Unterschied zwischen „Glück haben“ und „glücklich sein“. Die Vereinten Nationen geben alljährlich den Welt-Glücks-Bericht heraus. 2020 steht Finnland an Nummer 1 des Rankings von insgesamt 150 Ländern. Norwegen belegt Platz 8. Deutschland ist nur auf Platz 17 zu finden. Warum sind die Finnen und die Norweger glücklicher als wir? Dieser Frage wollte ich nachgehen. Besser gesagt nachfahren. Ich habe mich auf meine BMW GS 800 Adventure gesetzt und bin zum Nordkap und zurückgefahren. Das zentrale Thema im Roadbook: „Was ist Glück?“ Mein Motorrad wurde zum ersten mobilen Institut für angewandte Glücksforschung und ich hatte mal wieder ein Motiv für eine größere Tour.

Nach Afrika, Round the World jetzt zum Nordkap. Zum Glück

Von Travemünde aus ging es auf die Fähre nach Helsinki. Mein erster Gesprächspartner war der finnische Kapitän der Fähre, der aus Turku stammt. Ja, er hätte von dem Bericht gehört, meint er, und sei als Finne auch stolz darauf die Nr. 1 zu sein, aber wirklich erklären könne er das nicht. „Vielleicht hätte es etwas mit der Liebe zur Natur zu tun.“ Ich folge dieser Spur und fahre als erstes von Helsinki nach Turku und von dort in das größte Insel-Archipel der Welt, das Schärenmeer. Ein munteres Inselhopping auf kleinen Sträßchen und unzähligen Fähren macht Spaß.

Fähren fahren im Schärenmeer

Die 200 km lange Ringstraße führt an felsigen Klippen entlang und durch eine üppig-grüne Natur. Auf den bewohnten Inseln sind die Holz- und Bootshäuser rot bemalt. Zum entspannten Cruisen ein Traum. Jeder Kilometer zahlt auf das Glückskonto ein. Auch meine nächste Etappe über die Via Karelia Richtung Nordosten nach Savonlinna mitten in der finnischen Seenplatte ist grandios. Obwohl es nie über 20 Grad hat und auch mal regnet, bleibt das Glückslevel hoch.

Ein typisches Mökki. Die Finnen lieben die Natur

Jeder Finne hat übrigens sein Mökki. Das traditionelle Ferienhaus ist in Blockbauweise gebaut und rot gestrichen. Nah am Wasser und selbstverständlich mit einer Sauna. Die Finnen lieben die Nähe zur Natur. Auch später, auf meiner Fahrt vom Nordkap entlang der Fjörd-Küste Norwegens wird mir klar, dass einige Wurzeln des Glücks in der Natur zu finden sind. Viele meiner bekannten Biker bestätigen das, wenn sie sagen, dass man beim Motorradfahren wesentlich näher an der Natur ist als im Auto.

Die Fjörde, Berge und Gletscher in Norwegen sind überwältigend.

In Helsinki erklärt mir ein aufgeschlossener Finne, dass Glück sehr viel mit Vertrauen und Zutrauen zu tun hat. „Wir Finnen haben ein Urvertrauen und geben zunächst einen Vertrauensvorschuss an neue Nachbarn, neue Kollegen auf der Arbeit oder einem Politiker.“ – sagt er. Und als er erwähnt, dass er gerne Steuern zahlt, weil er der Regierung vertraut, schaltet sich in meinem Kopf das ABS ein. Das klingt fremdartig für deutsche Ohren. Wir Motorradfahrer sollten uns und unseren Bikes vertrauen.

Wir müssen unseren Motorrädern vertrauen können.

Wir haben großes Zutrauen zu unserem Lieblingshändler und -Schrauber. Wir winken uns auf der Straße zu und sind gleich per Du. Ist es unser Vertrauen und Zutrauen, das uns glücklicher macht, wenn wir auf dem Motorrad unterwegs sind – auch wenn wir ungerne Steuern zahlen?

In Norwegen halte ich morgens vor einer Bäckerei, um mir ein Brötchen und einen Kaffee zu holen. Die Bedienung hinter der Theke macht mich darauf aufmerksam, dass mein Motorrad im Parkverbot steht. Draußen sehe ich schon eine Politesse beim Schreiben. Ich springe raus und erkläre der jungen Polizistin, dass ich das Schild übersehen hätte. O.k. sagt sie lächelnd, nimmt mich mit zum nächsten Ticketautomat, fragt mich wie lange ich stehen bleiben will und zeigt mir wie ich bezahlen kann. Dann läuft sie mit mir zum Moped zurück, zerreist den ausgefüllten Strafzettel und wünscht mir einen schönen Tag. Wie wäre das wohl in Deutschland ausgegangen? Ab jetzt werde ich nie wieder parken, ohne zu zahlen, zumindest nicht in Norwegen.

In Oulu, Finnland hat man der Polizei ein Denkmal gesetzt.

Wir Deutschen sind eher vom Misstrauen geprägt. Die Gesetzesflut, der Kontrollwahn und die Überregulierung ist da eher ein Zeichen für Misstrauen, statt für Vertrauen.

„Natur und Vertrauen sind zwei Bausteine des Glücks“

Die Skandinavier freuen sich, wenn der Nachbar ein neues und größeres Auto hat als er. Man freut sich über die Beförderung des Arbeitskollegen. In vielen Gesprächen unterwegs wird mir klar, dass der neidische Vergleich mit anderen, der Tod des Glücks ist. Freuen wir uns für den Kumpel, der sich das neue Moped gekauft hat; auf den Kollegen, der sich eine Auszeit für eine große Tour nimmt. Für den GS-Fahrer, der auch noch eine dicke Harley in der Garage stehen hat. Wenn wir uns für andere freuen, dann sind auch wir glücklich. Der Dalai Lama sagt, wenn du andere glücklich machst, bist du selbst glücklich. Da scheinen die Skandinavier genau hingehört zu haben.

Lieber im Regen auf Moped-Tour als bei Sonne im teuren Luxus-Hotel.

Die Wissenschaft belegt, dass die Freude über einen Lottogewinn nur wenige Wochen anhält. Auch der Kauf eines neuen Autos hält nur einige Tage, bis es zu Routine wird und der Nachbar ein noch Neueres hat. In vielen Gesprächen habe ich auf meiner Tour erfahren, dass die Skandinavier zwischen dem gelingenden Lebensglück und dem kurzen Zufalls-Glück unterscheiden.

In Rovaniemi Finnland ist der Weihnachtsmann zu Hause.

Alle guten Dinge sind drei: „Natur, Vertrauen, richtiges Glück erkennen“ – deswegen scheinen die Skandinavier glücklicher zu sein als der Rest der Welt. So viel anders sind bei uns Motorradfahrern die Zutaten zum Glück nicht. Zumindest, wenn wir auf zwei Rädern unterwegs sind; „Natur, Vertrauen und richtiges Glück“.

Und ich habe mal wieder eindrucksvoll gelernt, dass Reisen mit dem Motorrad bildet und glücklich macht. Danke Toni! Euch viel Glück, auf und neben der Straße.

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Toni in den Bergen von Norwegen.

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